Newbie-Frage: Was macht eigentlich ein Kompressor?

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Immer wieder begegnet uns diese Frage im Gespräch mit Anfängern im Bereich Tontechnik. Auch Wikipedia schießt da mal wieder völlig über das Ziel, leicht verständliches Wissen zu vermitteln, hinaus und bietet dazu wie so oft eine viel zu komplizierte Antwort auf eine einfache Frage.

Mittels eines Hüllkurvendemodulators wird aus dem Pegel eines Tonsignals eine Steuerspannung abgeleitet, die einem Stellelement zugeführt wird. In den meisten Kompressoren beeinflusst ein spannungsgesteuerter Verstärker den Pegel des zu bearbeitenden Signals. Der Dynamikverlauf wird also komprimiert, der Lautstärkeunterschied der leisen und lauten Passagen wird reduziert.

(Zitat Wikipedia)

Ich habe manchmal das Gefühl, dass viele Autoren dort einen Wettstreit abhalten und sich um möglichst eloquente, umfangreiche, und für Fachfremde und Anfänger völlig unverständliche Antworten bemühen.

Ist zwar alles richtig was da steht, aber welcher Newbie soll denn das verstehen? Und gerade die gucken schon mal bei Wikipedia vorbei, um sich Infos zu holen. Die die das da oben verstehen, müssen nicht erst bei Wikipedia nachschauen.

Und „Macht fett“ und „Macht laut“ stimmt so auch nicht.

Hier also unsere (hoffentlich leichter verständliche) Erklärung zu dem, was ein Kompressor tut. Danach dürfte auch der Wikipedia-Text an Klarheit gewinnen.
Wir beziehen uns dabei nicht auf die verschiedenen Arten von Kompressoren (z.B. optisch, FET oder Röhre) sondern nur auf die Wirkungsweise des Kompressors.

Im Prinzip kann man sich einen Kompressor als einen automatisch arbeitenden Lautstärke-Regler vorstellen. Dieser regelt aber nur abwärts. Er macht also das Signal leiser. Und zwar nur dann wenn das Signal einen bestimmten Pegel übersteigt. (Aufwärts gibt’s zwar auch, nennt sich dann „Upward-Compression“. [Ein Expander ist wieder etwas anderes. Der regelt unterhalb des Schwellwertes.] Soll uns aber hier erst mal nicht interessieren.)
Diesen Punkt nennt man „Threshold“. Zu Deutsch „Schwellwert“

Übersteigt das Signal diesen Schwellwert, wird die Signallautstärke reduziert. Wie stark dies geschieht regelt man mit dem „Ratio“. Zu Deutsch „Verhältnis“, „Rate“ oder „Quozient“ Er wird in Verhältniswerten angegeben. Zum Beispiel 2:1 (sprich 2 zu 1)
Um das zu verstehen macht es sich einfacher, den Wert in Gedanken um zudrehen. Die 1 ist dann gedanklich das was aus dem Kompressor raus kommt. Die 2 das was in den Kompressor rein geht. Die Passagen im Signal die also über dem Schwellwert liegen, kommen nur halb so laut wieder heraus. Bei 3:1 nur noch 1/3tel so laut bei 5:1 nur noch 1/5tel und so weiter. Dreht man den Ratiowert also um, hat man eine Bruchzahl die das darstellt was am Ende von dem Eingangssignal übrigbleibt. (2:1 = 1/2 – also die Hälfte von dem was lautstärkemäßig reinkam)
Bei mehr als 8:1 oder 10:1 (je nach persönlicher Auslegung) spricht man von Limiting. ∞ : 1 (also unendlich zu 1) bezeichnet ein Hard-Limiting. Was bedeutet, dass alles was über den Threshold hinaus geht, auf den Wert des Thresholds reduziert wird. Das aber nur am Rande.

Durch diese Lautstärkenreduktion, werden also die lauten Passagen pegelmäßig an die leisen heran geholt. Das Signal, bzw. die (Lautstärken-) Dynamik wird verdichtet, zusammen gestaucht, eingegrenzt oder wie auch immer. Komprimiert eben.

Dadurch wirkt der Track erst mal leiser, weil ja das, was vorher die laut war, auf einmal nicht mehr so laut ist. Aber das was vorher evtl. leise war und vielleicht schwer wahrnehmbar im Mix wird dadurch lauter, da man den Track jetzt ja wieder lautstärkemäßig hochziehen kann. Dabei werden vorher zu leisen Passagen deutlich hörbarer, da die lauten nun reduziert sind und Luft nach oben ist. Für diese „Aufholverstärkung“ gibt es am Kompressor den Makeup-Gain oder Output-Gain Regler.

Dann gibt es noch zwei Regler, die an jedem Kompressor zu finden sind. „Attack“ und „Release“.

Die Attack-Zeit regelt die Zeit, die der Kompressor benötigt um die Lautstärkereduktion herbeizuführen, wenn der Schwellwert überschritten wird. Stellt man den Wert kurz ein, macht der Kompressor schnell zu. Stellt man einen langen Wert ein, regelt er langsam runter.

Die Release-Zeit legt fest, wie langsam oder schnell der Kompressor die Lautstärkereduktion aufheben soll, wenn das Eingangssignal  wieder unter dem Schwellwert liegt. Stellt man kurze Zeiten ein, macht der Kompressor schnell wieder auf. Stellt man lange Zeiten ein, lässt sich der Kompressor Zeit, die Lautstärke wieder hoch zu fahren.

Mit den beiden Werten muss man üben. Stellt man sie falsch ein, kann der Kompressor schon mal in das berühmte „Pumpen“ kommen. Aber mit einem Kompressor richtig umzugehen sollte generell erst mal geübt werden.

In diesem Sinne….Frohes komprimiren.

P.S. Ich werde den Beitrag bei Gelegenheit noch bebildern, um die Ausführungen anschaulicher zu machen.

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